Die Gemeinde Heilig Kreuz zu Weingarten
im Spiegel der Kirchenbücher des 18. Jahrhunderts
Von Friederike Kuhl


Die Lebensdaten der Gemeinde im 18. Jahrhundert - eine Vitalstatistik
a) Anlaß und Ziel der Arbeit
b) Die Kirchenbücher
c) Zeitraum und Methode der Untersuchung
d) Mortalitätsmaxima 1730 und 1734
e) Die Pocken, der Österreichische Erbfolgekrieg, Flecktyphus und Überschwemmung, die Mortalitätsmaxima 1739-1749
f) Der Siebenjährige Krieg und Naturkatastrophen
g) Das letzte Jahrzehnt im 18. Jahrhundert, die Franzosenzeit
h) Zusammenfassung der Ergebnisse


f) Der Siebenjährige Krieg und Naturkatastrophen


Eine Überschneidung der Kurve der Taufen durch die der Begräbnisse ist wieder zu beobachten in den Jahren 1758-1762; nur kurz unterbrochen von niedrigen Werten im Jahre 1760, steigen sie 1761 auf 213% des Durchschnittswertes an. Aus den Sterberegistern ist ein direkter Hinweis auf die Ursachen nicht zu entnehmen. Die Zahl der Taufen nimmt 1761 und 1762 stark ab. Der Anteil der Kinder an den Sterbefällen betrug 1762 71,5%. Auch in Arloff liegt 1761 ein Maximum von Sterbefällen vor, hier sogar von 257 %, und die Zahl der Taufen bleibt weit unter dem Durchschnitt.

Wieder waren es die Folgen kriegerischer Ereignisse, die sich auf das Leben der Bevölkerung negativ auswirkten. Dem Österreichischen Erbfolgekrieg von 1740 bis 1748 folgte nach kurzen Friedensjahren der Siebenjährige Krieg 1756 bis 1763. Er "brachte Franzosen und Preußen ins Land, deren Requisitionsbefehle sich endlos folgten", wie Gissinger schreibt. 19 Über die Einquartierungen und Requisitionen hinaus berichtet die Münstereifeler Chronik für 1758 von großen Überschwemmungen. "Die ganze Ernte ist verdorben", heißt es da, "und der Schaden unermeßlich, da alle Äcker unter Wasser stehen, ganz versandet und des fruchtbaren Bodens beraubt sind. Das Wasser hat giftige Eigenschaften, so daß alle Tiere davon zu trinken verabscheuen, und man findet tausende Fische, besonders Hechte, tot an den Ufern." 20 So etwas wie eine Umweltkatastrophe hat es also auch vor 240 Jahren schon gegeben, bevor Chemikalien oder kanalisierte Fäkalien in die Erft geleitet wurden, was uns heute zu schaffen macht. - Für das Jahr 1762 wird anhaltende Trockenheit gemeldet, deretwegen eine Bittprozession zum Michelsberg unternommen wurde. 21

Die Not der Kriegsfolgelasten, auf die im einzelnen hier nicht noch einmal eingegangen wurde, verschlimmerte sich also in diesen Jahren durch ungünstige natürliche Ereignisse, so daß der Zehnjahresdurchschnitt der Begräbnisse ansteigt; diese Beobachtung trifft auch für die Gemeinde Arloff zu.

In den beiden Jahrzehnten von 1770 bis 1790 fällt auf, daß die Durchschnittswerte der Begräbnisse kontinuierlich von 9,1 auf 4,9 sinken und daß auch die Durchschnittszahl der Taufen von 12,6 auf 10,6 abnimmt. Man könnte daraus schließen, daß die Bevölkerung abnahm; zu beweisen ist es nicht; allerdings nimmt auch die Zahl der Eheschließungen von 1780 bis 1790 von 4,3 im Jahr auf 1,8 im Jahr durchschnittlich ab. Auf alle Kurvenschwankungen kann hier im einzelnen nicht eingegangen werden, es soll nur noch darauf hingewiesen werden, daß auf ein Ansteigen der Heiratskurve zweimal ein Anstieg der Taufen folgt: 1768/69 und 1791/92.


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Entnommen: „1100 Jahre Wingarden“ - Kreuzweingarten 893-1993 - Mai 1993


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